sind nachzuweisen, einmal anhand des vorhandenen Königssilbers und zum
anderen an der namentlichen Aufstellung in der Chronik der Bruderschaft.Die rheinischen und westfälischen Schützenbruderschaften und Schützengesellschaften sind wie unser verstorbener Hochmeister Fürst Salm
Reifferscheidt-Dyck auf dem 350. Jubelfest der Laurensberger Schützen 1952 selbst sagte - allgemein aus vier Grund- haltungen ihrer Mitglieder heraus entstanden, von denen hier wohl die eine und
dort die andere dominierend war:
1.der religiös-christlichen, einer universalen Weltdeutung und Weltüberwindung,
2.der sozialen, einer gegenseitigen brüderlichen Hilfe,
3.des Wehrgedankens zum Schutz von Familie und Heimat,
4.der Pflege und Erhaltung echten Volkstums.
Für die Gründung der Schützenbruderschaft beim Abt in Kornelimünster mag
ebenfalls der vorgenannte Punkt 3 maßgebend gewesen sein, nachher kamen dann andere hinzu.
Die erste Nachricht zur Geschichte des Schützenwesens in der hiesigen Gegend
haben wir aus dem 15. Jahrhundert. Einige Schützengesellschaften bringen entsprechende Nachweise: Kornelimünster 1412 und Eilendorf 1450.
Im Dezember 1593 fiel ein Oberst Konradin im Namen eines Grafen Werner
und Markgrafen von Baden mit 32 Fahnen und Reitern und 2 Regimentern Fußvolk in unser Münsterländchen ein. Die Untertanen des Abtes setzten sich zur Wehr und hielten diese wilden Horden des obengenannten Konradin mit
Hilfe des Herzogs von Jülich von der Abtei ab.
In den Jahren 1598 und 1599 haben Schützen bei der Abwehr von räuberischen Überfällen mitgewirkt.
Der Aachener Geschichtsschreiber K. F. Meyer schreibt hierüber, am 1.9.1598 werden u. a. Schützen des Münsterländchens namentlich genannt, wie sie bei Wiedereinsetzung des katholischen Rates in Aachen geholfen bzw. sich
eingesetzt haben.
In der ersten Hälfte des 3o jährigen Krieges (1618-1648) war das Gebiet um Kornelimünster im allgemeinen von Behelligungen durch Kriegsvölker
verschont geblieben. Im Gegenteil, die auf abteilichem, also münsterländischem Gebiet seßhaften Kupfermeister am Vichtbach vor Stolberg, hatten in dieser
Zeit durch ihre Lieferungen nach Frankreich, ihrem Hauptabsatzgebiet, das bis dahin vom Krieg ebenfalls nicht berührt wurde, gute Geschäfte gemacht.
Seit 1630 aber wurde die hiesige Gegend ständig durch umherstreifende Truppen beunruhigt. 1630 und 1633 hatte Eschweiler unter schwerer kaiserlicher Einquartierung zu leiden, 1634 wurde die Gressenicher Kirche
geplündert, 1635 traf ein holländischer Streifzug das Amt Wilhelmstein. 1638 wurde Aachen von Octavio Piccolomini belagert und eingenommen. Besonders
schlimm wurde es nach dem Einfall der Hessen und Lothringer 1642. In diesem Jahre wurde Eschweiler zerstört.
Außer anderen Kriegsdrangsalen, die das freie unabhängige Münsterländchen
im Laufe der Jahrhunderte erdulden mußte, hatten besonders Breinig, Walheim und Oberforstbach in den Jahren 1647 und 1648 sehr zu leiden, also gegen
Ende des 30 jährigen Krieges. Vornehmlich Lothringer hausten hier wie die Vandalen.
Wie der Pfarrer von Kornelimünster berichtet, haben diese in Breinig am 19.
Februar 1647 und in Rahren (Raeren) am 20. Februar 1647 mehrere Häuser angesteckt.
Wie der 30 jährige Krieg 1648 zu Ende ging, fielen Truppen des Herzogs Karl IV
von Lothringen in die westlichen deutschen Lande ein, nachdem die Franzosen Lothringen und das damalige österreichische Elsaß besetzt hatten. Diese Truppen zogen - die Bevölkerung drangsalierend - hin und her. Die
Schützen des Monschauer Landes setzten sich zur Wehr, sie riefen die Schützen des Münsterländchens zu Hilfe. Am 15. Dezember 1648 kam es dann auf dem
Friedhof in Kalterherberg zu einem blutigen Treffen, bei welchem 103 Schützen des Monschauerlandes und 56 Schützen des Münsterländchens ihr Leben
ließen. Mit den kampferfahrenen und besser bewaffneten Söldnern hatten es die Schützen nicht aufnehmen können trotz allem Eifer und Einsatz bis zum Letzten.
Daß die Schlacht bei Kalterherberg später noch ein Nachspiel vor dem Schöffengericht in Kornelimünster hatte, sei hier nur am Rande erwähnt.
Aus Breinig waren lt. vorhandener Aufzeichnung im Sterbebuch von
Kornelimünster 9 Mann gefallen und zwar:
1.Gördt Kerst, Gehads Sohn von Breinig zur Kalterherberg tots verfahren den 15. Xbris 1648,
2.Lambert Hennikens von Breinig zur Kalterherberig erstochen den 15. Xbris 1648,
3.Joh. Hubert Hambach's Sohn von Breinig, ermordet wie oben,
4.Wilh. Ostlender von Breinig todt blieben,
5.Wilhelm Krandt (Krott) von Breinig todts verfahren
6.Con Hammacher von Breinig elendiglich in den Herrn entschlafen,
7.Wilhelm, Jan Kapelle's Sohn von Breinig, in den Todt geführt worden,
8.Wilhelm Heuments Sohn, Johann von Breinig, seinen Geist aufgegeben,
9.Peter Ganser von Breinig zur Kalderherberig erschossen 15. Xbris.
(Xbris ist Dezember)
In Breinig wütete - wie vielerorts - als Folge der vielen Truppendurchzüge im
Jahre 1652 die schreckliche Geißel der damaligen Zeit - die Pest -, die viele Opfer forderte.
Am 18. Februar 1756 erfolgte in unserer Gegend ein furchtbarer Erdstoß, viele
Häuser stürzten ein. Selbst im Wald war großer Schaden entstanden. Siehe Gedenkstein an der Kapelle von Niederforstbach.
Die Veranstaltungen der Schützen blieben trotz der zum Teil stark veränderten
Verhältnisse weiterhin die Hochfeste des Volkes im Ablauf des Jahres.
Bismarck erkannte seiner Zeit freimütig an, daß im 19. Jahrhundert gemeinsam
mit den Turnern und Sängern gerade die Schützen wesentlich zur Förderung des deutschen Einheitsgedankens beigetragen haben. Ein besonderes Betätigungsfeld oblag den Schützen nach der Satzung ihrer Bruderschaft im
sozialen und karitativen Bereich. Durch laufende Zuwendungen aus der Schützenkasse und persönlichen Einsatz der Mitglieder wurden Notlagen bei Krankheits- und Sterbefällen gelindert.
Auch für das gesellige Leben des Volkes waren die Schützen und ihre Bruderschaften zuständig. Ihr Schützen- und Patronatsfest, ihre Schießspiele und Aufzüge waren die großen und - neben Fastnacht - bis weit in das 19.
Jahrhundert hinein auch einzigen Feste des ganzen Jahres. Sie waren echte Volksfeste und wurden von der ganzen Bevölkerung mitgefeiert und getragen.
Ebenso stand die Schützenbruderschaft bei allen außergewöhnlichen Festen, kirchlichen wie weltlichen, im Mittelpunkt, bei Empfängen und festlichen Anlässen jeder Art übernahm sie die Durchführung der Organisation.
Die engen, ja freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Abt und den Schützen dauerten auch nach Gründung der Bruderschaft fort. Beim Vogelschuß stand dem Landesherrn der erste Schuß zu, der im allgemeinen
auch vom Abt oder seinem Stellvertreter abgegeben wurde.
Einmal - im Jahre 1719 - war ein Kammerdiener des Abtes Majestät in Breinig.
Nicht unerwähnt darf eine Mitteilung des II. Präsidenten J. H. Beißel gelassen
werden, die wert ist, nicht der Vergessenheit anheim zu fallen. Unsere Vorfahren hatten vor dem Schützenwesen eine große Achtung, wie u. a. folgendes beweist:
Das Haus in Breinig, Hauptstraße Nr.20, hieß ,,bei Königs", weil hier mehreremal der König wohnte, ferner wurde das Haus Haupt- straße Nr.25 ,,bei
Fähnrichs" genannt, weil hier der Fahnenträger oder Fähnrich wohnte. Das war so bis vor etwa 75 Jahren. Alle Leute der aus diesen Häusern stammenden
Familien wurden unbeschadet der richtigen Familiennamen ,,Königs" und ,,Fähnrichs" genannt.
(Die vorgenannten Häuser lagen oberhalb der Pfarrkirche, früher war die Numerierung eine andere.)
Der Einmarsch der französischen Revolutionsheere 1794 legte die Tätigkeit der rheinischen Schützenbruderschaften fürs erste lahm. Jede Betätigung wurde ihnen verboten, ihre Güter zu Nationaleigentum erklärt. Neben der
grundsätzlichen Abneigung gegen die Schützenbruderschaften aus der Geisteshaltung der Revolution heraus überschätzten die Franzosen anscheinend auch deren militärische Bedeutung. Nach 1800 gaben die französischen
Behörden jedoch dem Drängen der rheinischen Bevölkerung auf Wiederzulassung ihrer geliebten Schützenfeste nach.
Nach dem Befreiungskriege, als die Preußen kaum hier waren, sollen die
Schützenbruderschaften von diesen neuen Herren auch nicht gerne gesehen worden sein.
Von 1876-1879 war auch unsere Bruderschaft, wie fast alle Bruderschaften in
der hiesigen Gegend, wohl infolge der sogenannten Mai- gesetze während des Kulturkampfes, nicht tätig.
1879 erfolgte dann von einigen beherzten Männern die vollständige
Neugründung mit neuen Statuten, genau wie bei anderen Schützenbruderschaften in der hiesigen Gegend.
Präsident:Tilmann Kaldenbach, Ortsvorsteher in Breinig
Rendant:Ludwig Winkler
Schriftführer: Peter Winkhold
stellv. Präsident: Peter Jac. Kaiser
stellv. Rendant: Peter Jac. Hennecken
stellv. Schriftführer: Joh. B. Hennecken
Die Bruderschaft zählte im Jahre 1880 insgesamt 96 Mitglieder.
Es wäre noch nachzutragen, daß der alljährliche Königsvogelschuß in der frühesten Zeit auf dem Wingertsberg, dann später - bis etwa 1926 - an der
Hoheburg, Breinigerberg, und in den letzten Jahren vor dem 2. Weltkriege auf dem Schießstand des Breiniger Kriegervereins an der Stockemer Straße (Breinigerheide) abgehalten wurde.
Nach 1946 wurde wiederholt gewechselt, der Königsvogelschuß findet jetzt in der Wiese hinter dem Pfarrheim statt.
Die Bruderschaft hatte sich s. Zt. dem seit 1861 bestehenden Deutschen
Schützenbund angeschlossen. Sie nannte sich Schützengesellschaft wie die alten Fahnen das noch beweisen.
Der Unterbezirk war der Münsterländische Schützenbund, zu welchem ferner
gehörten: Walheim, Brand, Niederforstbach, Oberforstbach, Schleckheim-Nütheim, Friesenrath, Hahn, Venwegen, Dorff, Freund, Kornelimünster usw.
Wie alte Aufzeichnungen beweisen, haben Breiniger Delegierte Tagungen in
Aachen, Würselen, Broichweiden usw. besucht. Wie die Bezirke damals genau aufgeteilt waren, ist trotz Nachforschungen jetzt nicht mehr so leicht festzustellen.
1928 wurde von Dr. Louis, Leverkusen-Bürrig, Studienrat Lankes, Viersen, und Fabrikant Rößler, Weisweiler, die Erzbruderschaft zum hl. Sebastianus aufgerufen. Nach und nach fanden die alten Bruderschaften hier Anschluß.
Sebastianus Breinig trat auch dieser Erzbruderschaft bei, seit dieser Zeit sind wir Schützenbruderschaft.
Bis vor dem letzten Kriege brachte der Montagsnachmittags-Festzug alljährlich
Erinnerungen an die mittelalterlichen Zeiten in uns wach: am Ende des Festzuges wurden einige sogenannte Gefangene bzw. Marodeure unter besonderer Bewachungsmannschaft mitgeführt, nicht zuletzt zum Gaudium der
vielen Zuschauer, manchmal markierten die Gefangenen Fluchtversuche, z. B. an der Kirchgasse, am Mühlengäfichen oder Marialippengäßchen, um sich dann doch nachher wieder einfangen zu lassen.
1926 am 8. und 9. Mai fand das 260 jährige Stiftungsfest der Gesellschaft unter dem Protektorat des Landrats Pütz, Aachen, statt. Hieran beteiligten sich alle
Ortsvereine wie auch über ein Dutzend Schützenvereine. Ein solches Fest hatte Breinig bisher noch nicht gesehen. (Während des 1. Weltkrieges konnte an die 250 jährige Feier nicht gedacht werden).
Am Samstag, dem 8. Mai 1926, war nach dem Zapfenstreich eine hochansehnliche Festversammlung.
Bürgermeister Hansen sprach herzliche Worte zur Begrüßung. Die Breiniger Musikvereinigung sorgte für Unterhaltung, ebenso der Breiniger Männergesangverein. Studienrat Wilh. Röntgen - ein
geborener Breiniger - hielt einen geschichtlichen Vortrag über Entstehung und Zweck des Schützen- wesens im Münsterländchen.
Sonntagsfrüh nach dem großen Wecken Antreten der Mitglieder und
Ehrenmitglieder zum Abholen des Generals Heinrich Hoube, und des Königs des laufenden Jahres, Jakob Pitz, sowie der Jubilare. Es waren 6 Mitglieder, die
das goldene und 15, die das silberne Jubiläum begehen konnten. Nach dem Festhochamt zuerst das gewohnte Fahnenschwenken auf dem Platz neben der Kirche durch den Fähnrich Johann Ganser, der dieses meisterhaft verstand.
Alsdann eine Fotoaufnahme vor der Kirche mit anschließendem Früh- schoppen. Nachmittags großer Trachtenfestzug, eine Sebastianusgruppe und eine Wilhelm-Tell-Gruppe.